Den erneuten massiven Wintereinbruch musste man einfach nutzen. Mit vorgestellt tellergroßen Schneeflocken, die so wunderbar pappig waren, dass der Schneepimmel innerhalb von einer viertel Stunde fertig war, war der Abend gerettet. Der mit großartigste Schnee, den ich bisher erleben durfte. Ein Heidenspaß. Ich habe fotografiert. Neunzig Prozent der Fotos sind nicht mit den Lichtverhältnissen klar gekommen. Den Rest, seht ihr unten.
Was habt ihr denn mit diesem wunderbaren Schnee gemacht gestern und heute? Unseren Schneepimmel hat übrigens die gesamte Nachbarschaft bewundert und pilgerte zu diesem Phallus, um sich mit ihm zu fotografieren, genau wie am Eiffelturm. Irgendjemand hatte heute Morgen dann aber doch etwas gegen dieses Kunstwerk und zerstörte die prächtige Eichel. Nur noch die Eier erinnern an seinen Stolz.
Ich habe gestern mit meiner Freundin zusammen darüber nachgedacht, ob es eigentlich irgendwelche Gebrauchsgegenstände gibt, die in ihrer Tendenz größer oder schwerer werden. Wir haben darüber geredet, was den Charme des MacBook Air ausmacht und dabei ist ihr aufgefallen, dass eigentlich alles die Tendenz hat kleiner und leichter zu werden. Deshalb die Frage an meine Leser. Fällt euch irgendetwas ein, dessen Funktion es nicht ist, schwer zu sein, was sich diesem Trend zu entziehen weiß?
Christoph Hochholzer hat sich auf seiner Homepage die Mühe gemacht den Tractatus logico-philosophicus von Ludwig Wittgenstein als Baumstruktur darzustellen und ich kann nur jedem, der sich mit diesem wirklich schweren Werk auseinandersetzen muss oder will empfehlen, die Seite zu besuchen. Denn ihr wisst ja, die Welt ist alles, was der Fall ist. Ich fand es aufschlussreich, nacheinander durch den Baum zu gehen und zu sehen, wie die Beziehungen sind. Klar ist das rein hirarchisch und dies ist auch im Buch nicht zu übersehen, aber die eingerückten Setzungen können beim lesen helfen. So ist nämlich immer klar, was die Untersätze spezifizieren und welches Problem gerade gelöst werden soll.
Die deutsche Kampagne gegen Aids bzw. für geschützten Verkehr bringt ja schon bisweilen gute Plakate und Werbung hervor, die die meisten zum Schmunzeln bringen wird und so erreicht, was Werbung erreichen soll: im Gedächtnis zu bleiben und so die Botschaft dort zu verankern. Dieses Video aber ist die Krönung der Verhütungskampagne in Frankreich, auch wenn die Botschaft fast zu plump daher kommt. Gemacht ist es wunderbar. Also schützet euch und die Muschis kommen euch zugeflogen.
Ein gern vorgebrachtes Argument für das Fortleben des Prints ist die Haptik einer Zeitung oder eines Magazins, die ein Computer oder sonstiges digitales Gerät nicht ersetzen könne. EIn gar nicht so schlechtes Argument, auch wenn ich nicht denke, dass dieses Argument den Printjournalismus davon abhalten sollte, ihre momentane zweigleisige Strategie dahingehend zu ändern, dass die inhaltliche Qualität sich sowohl im Print, als auch Online gleichbedeutend etabliert. Denn das Haptikargument scheint viele Verlage genau davon abzuhalten.
Das Problem dieses Arguments ist die Vorstellungskraft und der Wechsel der Generationen. Ich als relativ junger Mensch habe noch gerne ein Buch, eine Zeitung oder ein Magazin in der Hand und kann diese Haptik noch nachvollziehen, aber ich kann mich ebenso für Verheißungen technischer Geräte der nächsten Zeit begeistern und bspw. an einem iPhone rumzuspielen macht auch enorm was her. Wenn man sich die Konzeption der oben im Video gezeigten Studie von Bonnier eines neuartigen Tabletcomputers, E-Bookreaders, oder einfach Pad anschaut, dann kann ich mir eben im Gegensatz zu eher älteren Semestern vorstellen, dass diese einfach und nett zu handhabenden Geräte Printprodukte vollständig ersetzen könnten. Nicht,w eil sie dieselbe Haptik nachbauen oder zu simulieren versuchen, sondern, eil sie eine technisch ausgereifte Lösung bereitstellen, die einer neuen Generation eine neue Haptik gibt, die eben ebenso Erinnerungen in vielen Jahren erzeugen wird, wenn diese Technologie durch eine andere ersetzt werden wird.
Die Vorteile liegen auf der Hand. Um ein Magazin zu lesen, muss ich nicht mehr an den Kiosk, in den Urlaub muss ich nicht mehr auswählen, welche schweren Bücher ich mitnehme, Notizen können nicht mehr aus dem Buch fallen, ich kann Stellen schneller suchen etc. Apple wird wohl bald seine eigene Vorstellung von einem solchen Tablet vorstellen und wie sehr das die Welt verändern kann, haben wir am iPod gesehen. Es gab schon vorher MP3-Spieler, aber erst ab dem iPod waren sie hip, cool, was auch immer. Jeder hatte auf einmal so ein Teil und wenn Apple wieder ein so grandioses Konzept vorstellt, dann werden wir sicher in den nächsten Jahren Zeuge einer vollzogenen Revolution im medialen Bereich, die sich schon lange Angekündigt hat, aber noch ihren Siedepunkt sucht.
Mit dem iPhone und dem neuen iPod Touch ist angedeutet worden, was die Haptik des digitalen Lesens sein wird. Jetzt brauch es nur noch einen weiteren Schritt, denn das iPhone ist zum Lesen zu klein. Aber vermutlich wird Apple die Revolution noch ein wenig verschieben, denn das Tablet wird sicher zu Beginn so dermaßen teuer, dass Apple noch genug Zeit hat, die Bedingungen der Kapitulation auszuhandeln, die der Print unumgänglich wird unterschreiben müssen.
Zu prophetische Worte? Ich denke nicht, auch wenn die Entwicklung sicher noch ein wenig auf sich warten lassen wird, zeigen Konzepte wie das oben oder der Hype um das neue iPad, dass hier Erwartungen vorhanden sind, die weit stärker sein werden, als der konservative Hang lieber das zu machen, was seit jeher getan wurde.
Ich denke, wir werden weiterhin unsere Zeitung am Frühstückstisch lesen, ein Buch mit aufs Klo nehmen und im Zug in Magazinen schmökern. Aber das Medium wird nicht mehr aus Holz sein. DIe Frage ist für mich nicht mehr ob, sondern nur noch eine Frage wann. Die selbstzugeschriebene Vision von Bonnier ist to continuously reinvent the art of publishing und das sollte auch in deutschen Medienköpfen eine größere Rolle spielen. Niemand will auf Journalismus verzichten, aber der Journalismus muss einen Schritt weiter gehen.
Wie seht ihr das, widersprecht mir, wenn ihr meint, ich lehne mich hier zu weit aus dem Fenster.
Ich heiße Raphael Raue und schreibe hier seit Ende 2005. Ältere Artikel stammen aus der Zeit, als Bloggen mir noch nicht bekannt war und ich Artikel einfach so ins Internet schrieb. Der Onezblog ist Hort kleiner Gedanken und dem Trieb zu Schreiben geschuldet.